6. Dezember 2014DRV-Jahrestagung in Abu Dhabi

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Abu Dhabi, 7 Uhr am Nikolausmorgen, Terminal 1: Die dreitägige Jahrestagung des Deutschen ReiseVerbands DRV und eine schicke Party an der Formel 1 Rennstrecke Yas Marina Circuit liegen hinter uns, ein 6-Stunden-Flug in der absolut langstreckenuntauglichen Holzklasse von Air Berlin vor uns. Zeit für einen ersten Anlauf, die vielen Eindrücke und Erkenntnisse zu verarbeiten. Bis zur letzten Minute ließen sich die Gastgeber Abu Dhabi und Etihad Airways nicht lumpen. Die Spitze der deutschen Touristikbranche, immerhin rund 800 Kongressteilnehmer soll in diesen Stunden tief beeindruckt nach Hause reisen,

und sicher hat jede(r) sein ganz persönliches Märchen aus 1001 Nacht zu erzählen. So wie das vom gestrigen Abend zum Beispiel, als eine weitläufige Rasenterrasse direkt an der rundum hell erleuchteten Rennstrecke die Bühne für die Abschlussparty war. Natürlich erfüllte auch das Buffet die Erwartungen der Gäste, aber das schärfste Gewürz waren eindeutig die drei Formel 1 Ferraris, die auf dem Circuit ihre Runden drehten. Feinster 10-Zylinder-Sound zum Essen… in diesem Fall und an diesem Ort eindeutig besser als Stehgeiger.

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Begonnen hat die Tagung am Dienstag, den 3. Dezember. In fünf Zielgebietsworkshops über die Gastgeber-Destination hatten wir die Möglichkeit, die Hauptstadt der vor 43 Jahren gegründeten Vereinigten Arabischen Emirate von verschiedenen Seiten kennenzulernen. Eines hat dabei wohl jeder erlebt: Diese Stadt ist eine gigantische Baustelle. 10-spurige Autobahnen führen durch das staubige Nichts, doch das wird sich bis 2030 dramatisch ändern. Von heute gut 600.000 Einwohnern soll „Greater Abu Dhabi City“ auf 3 Millionen Einwohner wachsen. Inklusive Zweigstellen des Louvre und des Guggenheim Museums. Geld spielt keine Rolle, nur das Beste vom Besten zählt. Einer der zahlreichen Kolossalbauten ist die Scheich-Zayid-Moschee. Vollständig aus Marmor erbaut, erleuchtet vom weltweit größten Kronleuchter mit 10 Metern Durchmesser und 15 Metern Höhe. Schauplatz des Eröffnungsabends war der Park des Ritz Carlton. Während das orientalische Buffet und die arabischen Folkloreeinlagen auf der Bühne durchaus zu erwartende Ereignisse waren, sorgten der deutsche Botschafter und Johannes Zurnieden,

Chef von Phoenix Reisen und DRV Vizepräsident, für einen überraschenden Knalleffekt. Hatte der Botschafter in seiner leicht verunglückten Begrüßungsansprache einerseits ausgiebig über die unerträgliche Hitze im Sommer geklagt und andererseits in den höchsten Tönen geschwärmt, wie sehr die Emiratis doch die Deutschen und Produkte made in Germany schätzen, sprang nach dessen Rede Zurnieden spontan und mit deutlich angeschwollener Halsschlagader auf die Bühne. Gerne, so der Reiseveranstalter erzürnt an die Adresse des Botschafters, würde man auch in Zukunft Sommer-Reisen nach Abu Dhabi verkaufen und außerdem leiste die deutsche Tourismusindustrie durch die Begegnung deutscher Urlauber mit fremdländischen Kulturen einen Beitrag zur Annäherung und Verständigung der Völker. Dass die Deutschen so gerne Urlaub machen, weil sie in der Fremde als Export- und Fußball- und Formel 1- und Reise- und Sonstwas-Weltmeister bejubelt würden, sei ihm hingegen neu und fände er auch ganz schön daneben.

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Wie passend, dass anderntags Krisenmanagement das große Thema der Tagung war. Wie reagiert die Touristik angesichts von Naturkatastrophen, politischen Krisen, Terrorismus und dergleichen mehr? Krisenhaft war die Lage in den Kongresspausen auf der Terrasse des exklusiven St. Regis Resorts allenfalls deswegen, weil die strahlende Sonne so manches durchgeschwitzte Hemd verursacht hat. Ansonsten gestaltete sich der Aufenthalt über die Maßen komfortabel, wenn auch beeinträchtigt durch den engen Zeitplan und die langen Transfers. So wurden wir am Abend zum Galaempfang und –dinner ins berühmte Emirates Palace Hotel kutschiert.

Eine Lasershow auf dem Dach, Wasserspiele, Trommler und Sänger am Eingang… und Gold. Überall Gold, wohin das Auge auch fiel. Einfach unfassbar, wie viel davon in ein Gebäude passt. Ganz ehrlich? Eindeutig zu viel des Guten. Eigentlich zu viel von allem. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und außerdem haben es vor Jahrhunderten die Fürsten und Bischöfe Europas mit ihren prunkvollen Residenzen auch nicht anders gehandhabt. Und deren architektonische Hinterlassenschaft zählt heute zum wertvollen kulturellen Erbe des Abendlandes.

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Tag 3 war dann starker Tobak für die Konferenzteilnehmer. Den ersten Aufschlag machte DRV-Vizepräsident und Thomas Cook Chef Michael Tenzer mit seinem Vortrag über die digitale Transformation und ihre Auswirkungen für die Reisebranche. Fazit: Wenn sich Google, Amazon und Facebook mit ihren Datenmassen über Kundenverhalten erstmal ernsthaft anschicken, auch als Anbieter von Reisen anzutreten, dann könnten sich die klassischen Veranstalter so warm anziehen wie sie wollen.

Tenzers dringende Empfehlung ist das Umdenken vom produktgetriebenen hin zum kunden(-daten)getriebenen Angebot. Ein Vortrag, der sicher viele äußerst nachdenklich gemacht hat und vielleicht war das auch der Grund, warum die Party am Abend umso ausgelassener gefeiert wurde. Schauplatz war, wie eingangs schon erwähnt der Formel 1 Kurs Yas Marina Circuit.

Unser Fazit: Intensive Tage, die viel neues Wissen gebracht haben, viele Gespräche und viel Spaß mit unseren Kunden von AIC, Olimar, Lüneburger Heide, FTI und Sartori & Berger, die allesamt vor Ort waren und natürlich eine Menge neuer, interessanter Kontakte in der Touristik. Unterm Strich: Es hat sich gelohnt, und im nächsten Jahr sind wir wieder dabei, wenn sich die Branche zur DRV Jahrestagung in Lissabon trifft. Dort ist unser Kunde Olimar quasi naturgemäß Gold-Sponsor, sodass wir die Tagungsteilnehmer mit einer Reihe kreativer Intevi-Ideen überraschen werden.